Thema: Lebensberatung
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Beitrag vom 15.11.2024
Internetplattformen und
soziale Medien lassen uns mit anderen auch über Entfernung verbunden bleiben und ebenso neue Kontakte knüpfen. Sie können ein Gemeinschaftsgefühl schaffen, motivieren, inspirieren und unterhalten. Einen Blick hinter die Kulissen gewähren, von unterschiedlichen Welten und Meinungen. Produkte und Dienstleistungen sind nur ein paar Klicks entfernt.
Doch das digitale Zeitalter hat auch negative Seiten, wie die
Filterblase oder
Insta-Reality.
Die Ergebnisse verschiedener Studien deuten darauf hin, dass soziale Netzwerke und Internetplattformen nicht nur gute, sondern auch schlechte Gefühle auslösen können.
Kontakte, Erlebnisse, Leben, unser Sozialverhalten wandelt sich häufig von offline zu online. Wir verbringen viel Zeit vor dem Bildschirm, anstatt uns zu bewegen. Nicht selten lässt sich eine gewisse Abhängigkeit erkennen, aus Sorge etwas zu verpassen. Stresslevel als auch Unsicherheiten können sich verstärken.
Neben dem Einfluss auf unser Wohlbefinden kann die Online-Welt auch unsere Sicht der Dinge beeinflussen, für eine verzerrte Selbstwahrnehmung sorgen und teils zur Realitätsflucht führen.
In diesem Artikel widmen wir uns heute den Begriffen Filterblase und Insta-Reality und was diese mit der
Wirklichkeit zu tun haben.
Filterblase
Der Begriff
Filterblase oder auch Informationsblase wurde bereits im Jahr 2011 geprägt. Von Eli Pariser, einem amerikanischen Polit- und Internetaktivisten, in seinem gleichnamigen Buch The Filter Bubble.
Suchmaschinen,
soziale Medien und Co. nutzen Algorithmen für die
Personalisierung der Benutzererlebnisse. Durch das Filtern werden wiederum die zur Verfügung gestellten Inhalte oder Informationen beschnitten und der Benutzer in einer Bubble isoliert.
Wissenschaftliche Untersuchungen konnten diese Aussage zwar nicht belegen, trotzdem wird dieses Phänomen weiter diskutiert. Während einige die Personalisierung bezogen auf Suchmaschinen, soziale Medien und Co. als nutzerfreundlich und als Vorteil sehen, halten andere solch eine Filterblase für potenziell gefährlich.
Filterblase als Spiegel unserer Person
Facebook tut es und Google tut es auch. Ebenso Streaming-Dienste und Nachrichtenseiten. Sie alle nutzen Algorithmen und bestimmen damit, was uns als Erstes angezeigt oder vorgeschlagen wird.
Über unsere IP-Adresse (Standort), unser Klickverhalten, unsere Suchhistorie, unsere Interaktionen ... stellen wir dem Algorithmus Informationen über uns als Benutzer zur Verfügung, die dieser wiederum bei der Ausspielung von Informationen an uns als eine Art Filter nutzt. Was uns potenziell gefallen könnte entsprechend unserer Interessen, Vorlieben und Bedürfnisse.
Durch das Herausfiltern irrelevanter Informationen erhalten wir also personalisierte Ergebnisse zu unserer Suche. Gleichzeitig wird uns Werbung eingespielt, die die Algorithmen als Match mit unserer Persönlichkeit erachten.
Filterblase und Wirklichkeit
Wir kreieren unsere eigene Bubble, die wir auch so schnell nicht wieder verlassen, weil wir sie immer weiter aufblasen. Und so werden wir immer wieder mit unseren eigenen Ansichten konfrontiert und mit Inhalten, die unserem Geschmack entsprechen. Das gilt für soziale Medien als auch Suchmaschinen und andere Onlinedienste.
Personalisierung mag durchaus praktisch erscheinen und uns einfachere Interaktionen ermöglichen. Doch gleichzeitig limitiert sie uns auch ein Stück weit.
Möglicherweise entgehen uns so relevante Informationen oder auch der Zugang zu neuen Ideen oder Themen. Unser Verständnis der Welt könnte sich verändern und vielleicht sogar unsere Entscheidungsfindung beeinflusst werden. Unsere Sichtweise im Gesamten könnte eingeschränkt werden.
Wie können wir diese selbsterschaffene Filterblase nun wieder verlassen?
Indem wir uns selbst reflektieren, über den Tellerrand hinausschauen und für etwas mehr Abwechslung sorgen.
- verschiedene Suchmaschinen nutzen
- Inkognito surfen
- mehrere Quellen checken
- sich mit anderen Menschen vernetzen
- anderen Inhalten folgen
- in unserer lokalen Blase agieren
Insta-Reality
Das soziale Netzwerk ist voll von Bildern und Videos. Mit den visuellen Inhalten hat der Kanal den Nerv der Zeit getroffen. Und er ist einfach zu bedienen - hochladen, liken, kommentieren, teilen, speichern - kein Hexenwerk.
Schon im Jahr 2010 wurde das erste Foto hochgeladen. Die Zahl der monatlichen Nutzer wird mittlerweile mit 2 Milliarden beziffert. Die grösste Nutzergruppe lässt sich bei 25- bis 34-Jährigen finden.
Und es gibt nichts, was es nicht gibt: süsse Tierbabys, märchenhafte Plätze, schöne Menschen, schicke Outfits, makellose Zuhause, kunstvoll angerichtete Nahrung ...
Menschen lassen uns an ihrem Leben teilhaben. An Missgeschicken genauso wie an Erfolgen und wichtigen Ereignissen. Sie nehmen uns mit in ihre Welt, teils mehrere tausend Kilometer entfernt. Und wir schauen immer wieder gerne vorbei.
Mit Influenzer-Marketing werden Produkte sowie Dienstleistungen an den Mann oder die Frau gebracht. Uns wird impliziert, dass wir sie brauchen. Wir können uns nicht erklären, wie wir bisher ohne sie (über-)leben konnten.
Zu schön, um wahr zu sein?
Perfekte Momente, perfekte Menschen, perfekte Leben - manchmal kann uns schon ein Hauch von Neid durchfahren. Wir alle wünschen uns Anerkennung und Wertschätzung und daran ist auch nichts verwerflich.
Und wie sie die Realität hinter Instagram aus? In den meisten Fällen ist die
Wirklichkeit bei weitem nicht so toll und glamourös, wie sie uns präsentiert wird. Die
Insta-Reality ist eigentlich nichts anderes als eine perfekte Selbstinszenierung. Eine Bühne für maximales Engagement.
Filter und Nachbearbeitung statt Unvollkommenheit und echten Menschen. Und mal abgesehen von gefilterten Videos und gephotoshoppten Bildern ist auch der Rest oft mehr Schein als Sein. Gemietete Häuser und Autos, gefakte Reisen, geliehene Klamotten ... eine Instagram-Version, perfekt in Szene gesetzt.
Doch genau dort liegt die Gefahr. Die Grenzen zwischen Instagram und dem echten Leben sind teils verschwommen. Schnell tappen wir in die Falle des Vergleichens. Und werden nicht selten zur Alltagsflucht in eine perfekte Welt verleitet.
Was macht die Insta-Reality mit uns?
Wir vergleichen unser Chaos mit der augenscheinlich perfekten Wirklichkeit der Menschen, die uns auf Instagram virtuell über den Weg laufen.
Wir malen uns aus, wenn wir an ihrer Stelle wären.
Ein unausgesprochener Druck überkommt uns, an dieser digitalen Maskerade teilzunehmen.
Der ständige Vergleich mit anderen, die ein scheinbar perfektes Leben auf allen Ebenen führen, kann sich jedoch nachteilig auf unser eigenes Selbstwertgefühl auswirken.
Durch unrealistische Erwartungen können sich Unsicherheiten entwickeln, Selbstzweifel verstärken. Im schlimmsten Fall rutschen wir in ein seelisches Tief.
Das, was wir sehen, ist nicht die ganze Geschichte
Die Wahrheit ist so gar nicht glamourös. Wir sind alle nicht perfekt. Wir können nicht immer gut aussehen. Wir können nicht immer superglücklich sein.
Denn Instagram ist nicht das Spiegelbild eines banalen, komplexen und schönen Durcheinanders des Lebens. Doch genau diese Unvollkommenheit und echte Menschen sind die Wirklichkeit.
Wir sollten unsere Beziehung, die wir mit den verschiedenen sozialen Medien pflegen, regelmässig neu bewerten. Jedes soziale Netzwerk mit Achtsamkeit nutzen, um zu unterscheiden, was real und was perfekt in Szene gesetzt ist. Und vor allem, uns immer wieder Auszeiten nehmen.
Für eine realistische Wahrnehmung unseres eigenen Lebens und eine positive Einstellung uns selbst gegenüber. Für sinnvolle Interaktionen in der Offline-Welt. Freunde, Familie und Hobbys. Die weltlichen Momente zu schätzen und zu geniessen. Ganz ohne Filter.
Das Leben ist zu kostbar für Bubbles und Insta-Realty
Personalisierung durch Algorithmen kann einiges einfacher machen. Wichtig ist, dass wir neugierig, selbst denkend, offen für Neues und flexibel bleiben. Dann können wir jede
Filterblase zum Platzen bringen.
Ein soziales Netzwerk ist nicht per se Teufelszeug. Instagram und Co. haben durchaus ihre Vorteile. Doch hören wir auf, uns zu vergleichen und
soziale Medien als Leitbild zu sehen. Seien wir offline und online authentisch, denn das macht uns nicht nur menschlich, sondern auch einzigartig.
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