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Beitrag vom 30.08.2025
Vielleicht ist es Ihnen auch schon passiert: Sie betreten einen
Raum und spüren sofort, dass etwas in der Luft liegt. Niemand hat ein Wort gesprochen, und doch wissen Sie, ob Streit vorausging oder Freude geherrscht hat. Dieses subtile Gespür, das sich nicht logisch erklären lässt, nennen viele
Hellfühlen - eine Fähigkeit, die über das rein Körperliche hinausgeht. Es ist kein Sehen, kein Hören, kein Riechen, und dennoch eine zutiefst wahrnehmbare Erfahrung.
Hellfühlen bewegt sich in einem Zwischenraum - nicht greifbar und doch ganz real. Es ist ein stilles Wissen, das sich oft leise bemerkbar macht, durch Gänsehaut, eine plötzliche Hitze oder ein inneres Ziehen, das zu uns spricht, ohne Worte zu brauchen. Anders als die Hellhörigkeit oder Hellsichtigkeit, die stärker, visuell oder auditiv geprägt sind, verankert sich das Hellfühlen im Körper. Es ist das Zusammenspiel von
Intuition und körperlicher
Resonanz, das uns erlaubt, Stimmungen, Energien oder auch seelische Zustände anderer Menschen zu spüren - selbst über grosse Entfernungen hinweg.
Der Körper als Resonanzraum
Hellfühlen hat viel mit dem eigenen Körper zu tun. Es ist nicht etwa etwas, das ausserhalb von uns geschieht, sondern ein tiefes Spüren, das durch unsere Zellen, unsere Haut, unser Nervensystem wandert. Manche Menschen beschreiben es wie ein inneres Echo - als würde der eigene Körper auf etwas antworten, das man selbst nicht initiiert hat. Besonders empathisch veranlagte Personen kennen diese Erfahrung gut. In Gesprächen, im Umgang mit bestimmten Orten oder sogar beim Hören bestimmter Musik reagieren sie mit physischer Empfindung.
Dabei geht es nicht um Empfindlichkeit im klassischen Sinne. Hellfühlen ist keine Schwäche - im Gegenteil. Es verlangt
Achtsamkeit, Mut und ein gewisses Mass an innerer Stabilität, um das, was man fühlt, nicht sofort als eigen zu interpretieren. Denn häufig empfangen hellfühlige Menschen Informationen, die gar nicht zu ihrem eigenen Zustand gehören. Das kann verwirrend sein, aber es öffnet auch die Tür zu einem tieferen Verständnis für das Unsichtbare, das dennoch wirkt.
Die Kunst, dem Himmel zu lauschen
Wer hellfühlt, lebt in einer Welt der Zwischentöne. Dort, wo andere vielleicht nur Worte hören oder Blicke deuten, nehmen Hellfühlende Schwingungen wahr, die unter der Oberfläche liegen. Sie spüren, wenn jemand nicht sagt, was er wirklich denkt, oder wenn ein Lächeln die Traurigkeit kaum verbergen kann. Diese Fähigkeit ist ein Geschenk - aber auch eine Verantwortung.
Denn
Hellfühlen bedeutet nicht nur, viel wahrzunehmen, sondern auch mit dieser Wahrnehmung bewusst umzugehen. Es kann hilfreich sein, sich regelmässig Zeiten der Stille zu gönnen, in die Natur zu gehen oder mit Atemübungen den eigenen Energiefluss zu klären. So lernen Sie, zu unterscheiden: Was gehört zu mir? Was nehme ich aus meinem Umfeld auf? Und was darf ich einfach weiterziehen lassen, ohne es zu bewerten oder festzuhalten? Der feine
Raum des Hellfühlens ist nicht dazu da, alles zu analysieren - vielmehr lädt er uns ein, tiefer zu vertrauen. In das, was wir spüren. In das, was sich zeigt, wenn wir bereit sind zu lauschen.
Ein sanftes Werkzeug für eine laute Welt
In einer Zeit, in der vieles laut, schnell und sichtbar sein muss, wirkt
Hellfühlen beinahe wie ein Relikt aus einer anderen Epoche - oder wie eine Erinnerung an etwas, das wir alle einst wussten. Vielleicht ist es das auch. Viele Menschen berichten, dass sie als Kinder ganz selbstverständlich gefühlt haben, was um sie herum geschieht, und diese Fähigkeit erst im Laufe des Lebens verdrängt wurde. Der Alltag, der Verstand, die gesellschaftlichen Erwartungen - all das kann das Hellfühlen überlagern. Doch es geht nie ganz verloren.
Der Zugang ist da - immer. Es braucht nur etwas
Raum, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, wieder in feinen Tönen zu hören. Hellfühlen kann im Alltag ein liebevoller Begleiter sein: beim Treffen mit Freunden, beim Betreten neuer Räume, in der Begegnung mit Tieren oder in Momenten der inneren Einkehr. Es erinnert uns daran, dass wir nicht nur durch Sprache verbunden sind, sondern durch etwas Tieferes - ein feines Netz aus
Empathie,
Schwingung und Mitgefühl.
Wenn Sie beginnen, dieser leisen Stimme in sich wieder mehr Raum zu geben, werden Sie merken: Zwischen
Himmel und Erde liegt ein unsichtbares Feld. Und manchmal reicht ein einziger Atemzug, um sich darin zu verankern.
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