Hinweis: Die nachfolgenden Inhalte beschreiben die Reinkarnation aus Sicht der Yoga-Philosophie und spiritueller Überlieferungen. Sie geben religiöse und spirituelle Glaubensvorstellungen wieder und sind wissenschaftlich nicht belegt.
Viele Menschen interessieren sich heute für das Thema der Reinkarnation. Haben Sie sich schon einmal gefragt, ob unsere Existenz mit der Geburt beginnt oder ob sie nach spirituellen Vorstellungen darüber hinausreicht?
Nach Angaben eines amerikanischen Instituts für Meinungsforschung glauben rund 23 Prozent der befragten Menschen an die Reinkarnation.
Zahlreiche Bücher, wissenschaftliche Untersuchungen, Artikel und Spielfilme beschäftigen sich mit diesem Thema. Dennoch bleibt die Reinkarnation ein Gegenstand unterschiedlicher Weltanschauungen und spiritueller Überlieferungen. Je nach Tradition wird sie verschieden erklärt und interpretiert.
In diesem Artikel stelle ich Ihnen die Lehren des Buches "Die Erklärung der Reinkarnation" von Jagad Guru Siddhaswarupananda Paramahamsa vor. Die nachfolgenden Inhalte geben die Sichtweise dieser spirituellen Tradition wieder und verstehen sich als Einladung zur persönlichen Auseinandersetzung mit dem Thema.
Vielleicht möchten Sie sich im Anschluss selbst näher mit diesem Werk beschäftigen.
Was also ist Reinkarnation?
Das Wort Reinkarnation stammt aus dem Sanskrit und wird häufig mit "Wiedergeburt" übersetzt. In vielen spirituellen Lehren beschäftigt sich dieser Begriff mit der Frage, was den Übergang von einem Leben in das nächste ausmacht.
Wer oder was wechselt von einem Körper zum anderen?
Nach der Yoga-Philosophie beginnt das Verständnis der Reinkarnation mit der Frage:
Wer sind wir wirklich?
Wir sind nicht dieser Körper
Nach der Yoga-Philosophie besteht der Mensch aus mehr als seinem sichtbaren Körper.
Betrachten Sie beispielsweise ein Foto von sich, das zehn Jahre alt ist. Ihr Körper hat sich seitdem verändert. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass sich viele Zellen unseres Körpers im Laufe der Zeit erneuern. Dennoch erleben wir uns selbst oft als dieselbe Persönlichkeit.
Aus Sicht der Yoga-Philosophie wird daraus geschlossen, dass unsere eigentliche Identität nicht allein vom körperlichen Erscheinungsbild abhängt.
In der Bhagavad Gita wird dies wie folgt beschrieben:
"So wie die Seele von einem kindlichen Körper in einen jugendlichen Körper und weiter in einen alten Körper übergeht, so geht sie auch nach dem Tod in einen anderen Körper über ..." (Bhagavad Gita 2.13)
Diese Aussage stellt eine spirituelle Überlieferung der Yoga-Philosophie dar.
Wir sind nicht der Verstand
Auch der Verstand wird in der Yoga-Philosophie nicht als das eigentliche Selbst angesehen.
Gedanken verändern sich im Laufe des Lebens. Gefühle kommen und gehen. Viele Menschen erleben zudem, dass sie versuchen können, ihre Gedanken bewusst zu beobachten oder zu lenken.
Aus dieser Sichtweise wird der Verstand als Teil des feinstofflichen Körpers beschrieben, während das eigentliche Wesen des Menschen darüber hinausgeht.
Wir sind die ewige Seele
Nach der Yoga-Philosophie besteht das wahre Wesen des Menschen aus einer unsterblichen Seele.
Der sichtbare Körper wird dabei als vorübergehende Hülle verstanden, während die Seele als ewig beschrieben wird. Stirbt der Körper, setzt die Seele nach dieser spirituellen Lehre ihren Weg fort.
Diese Vorstellung gehört zu den zentralen Grundlagen der Reinkarnationslehre innerhalb der vedischen Tradition.
Einen neuen Körper bekommen
Was geschieht nach spirituellem Verständnis, wenn die Seele den Körper verlässt?
Nach den Lehren der Yoga-Philosophie hängt der weitere Weg der Seele von ihrem Bewusstseinszustand und ihrer spirituellen Entwicklung ab.
Es wird beschrieben, dass eine Seele, die höchste spirituelle Erkenntnis erlangt hat, in ihre eigentliche spirituelle Heimat zurückkehrt.
Bestehen dagegen weiterhin materielle Wünsche, Bindungen oder karmische Verknüpfungen, wird innerhalb dieser Lehre angenommen, dass eine weitere Wiedergeburt erfolgt.
Häufig wird dieser Vorgang mit dem Ablegen alter Kleidung und dem Anziehen neuer Kleidung verglichen.
Die Verbindung zwischen alten und neuen Körpern
Wie erfolgt nach den Lehren der Reinkarnation der Übergang in einen neuen Körper?
Nach der Yoga-Philosophie geschieht dieser Prozess schrittweise. Dabei wird beschrieben, dass der feinstoffliche Körper, bestehend aus Geist, Gedanken und Eindrücken, die Verbindung zwischen dem gegenwärtigen und einem möglichen zukünftigen Leben bildet.
Während der grobstoffliche Körper nach dem Tod vergeht, bleibt der feinstoffliche Körper nach dieser spirituellen Lehre bestehen. Die im Laufe des Lebens entwickelten Wünsche, Neigungen und Anhaftungen werden als Teil dieses feinstofflichen Körpers betrachtet.
In der Yoga-Philosophie wird davon ausgegangen, dass diese inneren Prägungen Einfluss auf eine zukünftige Wiedergeburt haben können.
Im Srimad-Bhagavatam wird dies mit folgendem Vergleich beschrieben:
"Bevor eine Raupe von einem Blatt zum anderen kriecht, klammert sie sich an das Blatt, auf dem sie sich befindet. In gleicher Weise muss das Lebewesen, bevor es den gegenwärtigen Körper verlässt, einen neuen erhalten, der durch seine Aktivitäten im gegenwärtigen Leben bestimmt wird. Die Ursache dafür liegt in den materiellen Wünschen, die im Geist des Lebewesens vorhanden sind."
(Srimad-Bhagavatam 4.29.76-77)
Dieses Zitat beschreibt die Sichtweise der vedischen Tradition.
Warum werden wir reinkarniert?
Nach den Lehren der Reinkarnation entsteht der Wunsch nach einer erneuten Verkörperung durch materielle Wünsche und Erfahrungen, die noch nicht abgeschlossen sind.
In der Yoga-Philosophie wird davon ausgegangen, dass die Seele so lange weitere Erfahrungen sammelt, bis sie ihre wahre spirituelle Natur vollständig erkennt.
Die Wiedergeburt wird in dieser Lehre daher als Teil eines fortlaufenden Entwicklungsweges verstanden.
Warum bekommen wir einen bestimmten Körpertyp?
Nach spirituellen Überlieferungen der Yoga-Philosophie kann die Seele verschiedene Formen des Lebens erfahren.
Dabei wird beschrieben, dass die Art der Wiedergeburt mit dem Bewusstseinszustand, den inneren Neigungen und den während des Lebens entwickelten Wünschen in Verbindung steht.
Der feinstoffliche Körper wird in dieser Lehre als eine Art Träger dieser Prägungen verstanden, während sich der neue grobstoffliche Körper entsprechend dieser inneren Ausrichtung entwickelt.
Als Beispiele werden in den vedischen Schriften unterschiedliche Lebensformen wie Mensch, Tier oder Pflanze genannt.
Nach dieser spirituellen Sichtweise spielt insbesondere der Bewusstseinszustand zum Zeitpunkt des Todes eine wichtige Rolle für die weitere Entwicklung der Seele.
Zur Veranschaulichung werden häufig bildhafte Beispiele verwendet.
So wird beschrieben, dass besonders starke innere Bindungen oder intensive Wünsche die Ausrichtung des Bewusstseins beeinflussen können. Diese Beispiele dienen dem besseren Verständnis der spirituellen Lehre und sind symbolisch zu verstehen.
Nicht einzelne Hobbys oder Interessen allein bestimmen nach dieser Auffassung eine mögliche Wiedergeburt, sondern die Gesamtheit des Bewusstseins und der inneren Ausrichtung eines Menschen.
Karma und die Formationen des feinstofflichen Körpers
Ein weiterer zentraler Bestandteil der Reinkarnationslehre ist das Karma.
Das Sanskrit-Wort Karma bedeutet wörtlich "Handlung". Nach spirituellem Verständnis bleibt keine Handlung ohne Folgen.
In der Yoga-Philosophie wird davon ausgegangen, dass Gedanken, Worte und Handlungen Spuren hinterlassen und den weiteren Entwicklungsweg der Seele beeinflussen können.
Dabei wird ein Zusammenhang zwischen Bewusstsein, Handlungen und deren Folgen beschrieben.
Das Bewusstsein beeinflusst unser Handeln, während unsere Handlungen wiederum unser Bewusstsein prägen. Dieser Kreislauf bildet nach dieser Lehre die Grundlage für die weitere spirituelle Entwicklung.
Ebenso wird beschrieben, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat, sein Bewusstsein bewusst auf spirituelle Werte auszurichten und dadurch seinen persönlichen Entwicklungsweg zu gestalten.
Kontemplation und Reinkarnation
Nach den Lehren der Yoga-Philosophie beeinflusst das, womit sich unser Geist im Alltag beschäftigt, unsere innere Ausrichtung.
Wer seine Aufmerksamkeit überwiegend auf materielle Wünsche richtet, entwickelt nach dieser Auffassung entsprechende Anhaftungen.
Diese Anhaftungen gelten innerhalb der Reinkarnationslehre als Bestandteil des feinstofflichen Körpers und werden mit dem weiteren Weg der Seele in Verbindung gebracht.
Deshalb beschreiben viele spirituelle Traditionen die bewusste Ausrichtung des Geistes als einen wichtigen Bestandteil der persönlichen Entwicklung.
Nach dieser Sichtweise können fortwährende Wünsche immer neue Wünsche entstehen lassen. Dadurch entsteht ein Kreislauf, der den Menschen immer wieder an die materielle Welt bindet.
Die Yoga-Philosophie lädt dazu ein, diesen Kreislauf bewusst zu erkennen und den eigenen Blick zunehmend auf spirituelle Werte und Selbsterkenntnis auszurichten.
Was ist der Wert der menschlichen Lebensform?
Nach der Yoga-Philosophie bietet die menschliche Lebensform eine besondere Möglichkeit zur Selbsterkenntnis und spirituellen Entwicklung.
In dieser Tradition wird davon ausgegangen, dass der Mensch die Fähigkeit besitzt, über den Sinn des Lebens nachzudenken, sich mit der eigenen Existenz auseinanderzusetzen und eine bewusste Beziehung zur spirituellen Dimension zu entwickeln.
Aus dieser Sicht wird das menschliche Leben als eine wertvolle Gelegenheit betrachtet, sich mit der eigenen inneren Entwicklung zu beschäftigen und spirituelle Erkenntnisse zu vertiefen.
Viele spirituelle Lehren laden dazu ein, diese Möglichkeit bewusst zu nutzen.
Gleichzeitig wird beschrieben, dass Menschen im Alltag häufig stark von materiellen Bedürfnissen und äusseren Einflüssen geprägt sind. Nach der Yoga-Philosophie kann dies den Blick auf die eigene spirituelle Entwicklung erschweren.
Die vedischen Schriften regen deshalb dazu an, neben den Anforderungen des täglichen Lebens auch Raum für Selbsterkenntnis, Reflexion und spirituelles Wachstum zu schaffen.
Ist Reinkarnation wünschenswert?
Ob eine erneute Wiedergeburt als wünschenswert angesehen wird, wird in verschiedenen spirituellen Traditionen unterschiedlich beantwortet.
Nach der Yoga-Philosophie gilt die materielle Welt als ein Ort des Lernens und der persönlichen Entwicklung. Gleichzeitig wird davon ausgegangen, dass jedes Leben sowohl freudige als auch herausfordernde Erfahrungen mit sich bringt.
Aus dieser Sicht wird die wiederholte Geburt als Bestandteil eines fortlaufenden spirituellen Entwicklungsweges verstanden.
Die vedischen Schriften beschreiben als höchstes Ziel die Rückkehr in eine spirituelle Dimension, in der die Seele ihre ursprüngliche Verbundenheit mit dem Göttlichen wiedererlangt.
Diese Vorstellung gehört zu den zentralen Glaubensinhalten der Yoga-Philosophie.
Nach dieser Lehre wird das höchste Glück nicht in der wiederholten Wiedergeburt gesehen, sondern in der vollständigen spirituellen Erkenntnis und der Rückkehr zur eigenen ursprünglichen Natur.
Der Weg dorthin beginnt nach dieser Auffassung mit der bewussten Auseinandersetzung mit sich selbst, den eigenen Gedanken und der persönlichen spirituellen Entwicklung.
Vielleicht lädt Sie dieses Thema dazu ein, Ihre eigenen Überzeugungen zu hinterfragen und sich mit den unterschiedlichen Sichtweisen auf Reinkarnation und Spiritualität auseinanderzusetzen.
Jeder Mensch entscheidet dabei selbst, welche Gedanken und Überzeugungen für den eigenen Lebensweg stimmig sind.
Ich wünsche Ihnen inspirierende Erkenntnisse auf Ihrem persönlichen Weg.
Ihre Rija
Mehr zum Thema:
Beitrag Reinkarnation und Beitrag Yoga© Zukunftsblick Ltd.
Redaktionell geprüft durch das Redaktionsteam der Zukunftsblick Ltd.
Rechtliche Hinweise.